Pragmatische Lösungen in der Energiepolitik – Podiums-diskussion von AVES Zürich

27. Oktober 2009

Unter dem Titel „Die Stromversorgung der Zukunft – Utopie vs. Realität“ hat die Aktion für eine vernünftige Energiepolitik Schweiz AVES (Sektion Zürich) am vergangenen Montag zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Die mehr als 80 Zuhörer im vollbesetzten Zunfthaus zur Waag in Zürich erlebten Inputreferate von Dr. Urs Meister (Avenir Suisse), Dr. Matthias Gysler (Chefökonom Bundesamt für Energie) sowie Prof. Dr. Rolf Wüstenhagen (Institut für Wirtschaft und Ökologie an der Universität St. Gallen).

  • Urs Meister informierte über die Ende des kommenden Jahrzehnts drohende Stromlücke und wie diese zu verhindern sei. Er wies dabei auf die hohen Kosten von erneuerbarer Energie und, damit verbunden, auf deren nur begrenzte Rolle in der mittelfristig planbaren Stromversorgung der Schweiz hin. Man müsse auch weiterhin pragmatisch denken und auf Grosskraftwerke setzen, mithin auf Atomkraft, welche sowohl von der Versorgungssicherheit als auch vom Preis her am meisten Vorteile bringe.
  • Matthias Gysler vom BFE stellte unter anderem die Energiestrategie 2007 des Bundesrates vor, welche in einem Vier-Säulen-Modell die Gleichwertigkeit von Energieeffizienz, erneuerbaren Energien, Grosskraftwerken und Energieaussenpolitik betont. Er untermauerte bei dieser Gelegenheit das Bekenntnis des Bundes zu neuen Atomkraftwerken.
  • HSG-Professor Rolf Wüstenhagen stellte erneuerbare Energien in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Er prophezeit der Produktion von erneuerbaren Energien wie Photovoltaik und Windkraft ein grosses Marktpotenzial; Staatssubventionen seien in diesem Zusammenhang als Anschubfinanzierungen an eine Branche auf dem Weg zur Marktfähigkeit gerechtfertigt.

Im Anschluss an die Referate führte SVP-Kantonsrat und AVES Zürich-Vorstandsmitglied Martin Arnold durch die Diskussion, an der neben den drei Referenten auch Rolf Hegetschweiler, Alt Nationalrat und Präsident von AVES Zürich teilnahm. Zentrale Frage war die Versorgungssicherheit. Alle Beteiligten bekräftigten noch einmal ihre Positionen, wobei die Finanzierbarkeit erneuerbarer Energien am meisten zu reden gab. Urs Meister nannte als Beispiel die rund 77 Milliarden Euro, mit denen die deutsche Regierung bis 2013 die Photovoltaik subventionieren wird und bezeichnete diesen Mitteleinsatz für einen Marktanteil von lediglich 1 Prozent als eine viel zu teure Investition mit gigantischen Folgekosten und sehr hohen Versorgungsrisiken. Es werde künstlich eine Branche subventioniert, die nicht marktfähig und zudem in der Produktion der Anlagen grösstenteils in Asien angesiedelt sei.

Rolf Hegetschweiler wies auf die Bedeutung der Versorgungsautonomie hin, er sei überzeugt davon, dass der Schweizer Konsument Strom aus inländischer Produktion bevorzugen würde – darauf müsse in der öffentlichen Debatte vermehrt der Fokus gelegt werden.

Einigkeit herrschte in der Runde zur wichtigen Rolle der Energieeffizienz. In diesem Bereich liege grosses Potenzial, welches in Zukunft noch besser ausgeschöpft werden müsse. Allerdings gab man zu bedenken, dass Energiesparen auch immer viel Strom brauche, weshalb das Potenzial von Energieeffizienz-verbessernden Massnahmen nicht überschätzt werden dürfe.

Die Runde bekannte sich mehrheitlich zum Bau eines neuen Kernkraftwerks. Dieses könne nach dem politischen Fahrplan bis ins Jahr 2025 Realität werden – falls sich das Stimmvolk 2013 auch klar dazu bekennt.

AVES-Präsident Rolf Hegetschweiler zeigt sich erfreut ob der gelungenen Veranstaltung. In punkto Stromversorgung herrscht in der Öffentlichkeit heute vielerorts eine verzerrte Sicht der Realität vor, die Diskussion ist geprägt von Alarmismus, Halbwahrheiten und utopischen Konzepten. AVES hat es sich zum Ziel gemacht, in der Öffentlichkeit einen pragmatischen, ohne ideologische Scheuklappen geführten Dialog anzustossen – mit dem Herbstanlass 2009 ist ein erster Schritt in diese Richtung getan.

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