Allheilmittel 2000-Watt-Gesellschaft? Podiumsdiskussion von AVES Zürich

30. November 2010

„Allheilmittel 2000-Watt-Gesellschaft – und keiner fragt nach“ – unter diesem Titel hat die Aktion für eine vernünftige Energiepolitik Schweiz AVES (Sektion Zürich) am vergangenen Montag, 29. November zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Ziel der Veranstaltung war es, über das Energiesparkonzept der 2000-Watt-Gesellschaft zu informieren und Alternativen dazu aufzuzeigen. Zu Wort kamen ausgewiesene Experten ihres Fachs: Kurt Egger, Co-Leiter der Fachstelle 2000-Watt-Gesellschaft, Prof. Konstantinos Boulouchos vom Energy Science Center der ETH Zürich und Niklaus Zepf, Head of Corporate Development beim Stromversorger Axpo.

Die 2000-Watt-Gesellschaft ist seit einiger Zeit in aller Munde und gilt weitherum als eigentliches Allheilmittel zur Lösung jeglicher klimatischer Probleme. Allerdings scheint niemand so recht zu wissen, um was es sich dabei genau handelt. Was bedeuten 2000-Watt konkret im Alltag? Welche alternativen Konzepte gibt es? Und wie realistisch sind diese?

Kurt Egger, Co-Leiter der Fachstelle 2000-Watt-Gesellschaft, preist das 2000-Watt-Konzept als ideale Lösung zur angestrebten Abkehr von fossilen Energieträgern. Ziel ist die langfristige Senkung des Primärenergieverbrauchs von heute ca. 6‘000 auf 2‘000 Watt pro Person, was einem jährlichen Verbrauch von ca. 1‘750 Liter Erdöl entspräche. Dies soll insbesondere durch den Gebrauch von Fahrzeugen mit niedrigem Verbrauch, energieeffizientes Bauen und verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien erreicht werden. Kurt Egger sieht in der 2000-Watt-Gesellschaft grosses wirtschaftliches Potential und befürchtet keine nennenswerte Einschränkung des Lebensstandards.

ETH-Professor Boulouchos stellt das 2000-Watt-Konzept in Frage und setzt ihm die eigenen Überlegungen gegenüber: Die Reduktion des CO2-Ausstosses auf 1 Tonne pro Kopf und Jahr sei die bessere Strategie, denn Sie fokussiere konkret das Hauptproblem, den zu hohen CO2-Ausstoss. Das 2000-Watt-Konzept sei zu stark auf Primärenergie fixiert und berücksichtige das viel zu geringe Potenzial erneuerbarer Energien nicht ausreichend.
In den Massnahmen zur Erreichung der Ziele ähneln sich die beiden Konzepte allerdings: Auch das 1t CO2/Kopf/Jahr-Ziel soll durch Erhöhung der Energieeffizienz und durch vermehrte Nutzung erneuerbarer Energien erreicht werden, allerdings unter erhöhter Elektrifizierung. Zudem müssten zur Überbrückung weiterhin alle verfügbaren Technologien, auch die Kernkraft, genutzt werden – klug und mit Augenmass.

Axpo-Vertreter Niklaus Zepf stellt aus der Sicht des Stromversorgers die beiden Konzepte einander gegenüber und spricht sich klar für das pragmatische Ziel einer CO2-Reduktion auf eine Tonne pro Kopf und Jahr aus, ohne jedoch einen konkreten Zeitpunkt zu nennen. Das 2000-Watt-Konzept kritisiert er: Zwar bevorzuge es mit Photovoltaik und Wind saubere, aber auch instabile Stromerzeugungsmethoden, was den Stromkunden nicht zugemutet werden könne. Zepf ist überzeugt: „Strom darf nicht verteufelt werden“, er sei ein nützliches Instrument zur Verbesserung und Unterstützung von Energieeffizienz. Ausserdem werde der Strombedarf in den nächsten Jahren mit Sicherheit noch zunehmen.

Derselben Meinung ist der Vorstand von AVES Zürich. Auch wir vertreten die Meinung, dass die Reduktion von CO2 das vordringlichere Ziel ist, weil sie pragmatisch die Abkehr von fossilen Energieträgern ins Zentrum rückt. Die 2000-Watt-Gesellschaft sehen wir dagegen als ideologische und kaum zu verwirklichende Zwängerei an, die dem Volk als vermeintliches Allheilmittel verkauft wird.

Zwar sind sich die drei Referenten einig, dass niemand weiss, wie die Welt in 40 Jahren aussehen wird; trotzdem herrscht ein grosser Konsens darüber, dass die Eindämmung des Klimawandels die grösste Herausforderung der nächsten Jahrzehnte darstellt. Aus diesem Grund müsse schnellstmöglichst eine Trendwende im Energienutzungsverhalten der Bevölkerung stattfinden.

Rolf Hegetschweiler, Präsident von AVES Zürich, zeigt sich erfreut ob der gelungenen Veranstaltung. Die Vor- und Nachteile der 2000-Watt-Gesellschaft seien plastisch aufgezeigt und attraktive Alternativlösungen präsentiert worden. Die Zukunft werde zeigen, ob und wie die geforderte Trendwende einsetzen und was sie kosten wird. AVES wird die Entwicklung auf jeden Fall auch weiterhin kritisch im Auge behalten.

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