Tiefenlagerung radioaktiver Abfälle: AVES Zürich fordert pragmatische Lösung

2. Februar 2011

Unter dem Titel „Entsorgung radioaktiver Abfälle in der Schweiz: Standorte, Verfahren, Herausforderungen“ referierte Markus Fritschi, Geschäftsleitungsmitglied der Nagra, im Rahmen einer AVES-Informationsveranstaltung über die Herausforderung im Umgang mit radioaktivem Abfall. Zuvor legte Ständerat und AVES-Präsident Rolf Schweiger seine Vorstellung einer pragmatischen, bürgerlichen Energiepolitik dar.

Rolf Schweiger, bekannt als profilierter Energiepolitiker, zeigte in einer Tour d’Horizon die momentane energiepolitische Situation in der Schweiz auf: Der Stromverbrauch wird in den nächsten Jahrzehnten trotz aller Massnahmen zur Förderung von Energieeffizienz weiter zunehmen. Dies insbesondere vor dem Hintergrund der angestrebten CO2-Reduktion in der Energieproduktion sowie der zu erwartenden Zunahme an Elektroautos und Wärmepumpen. Zudem ist aufgrund auslaufender Stromlieferverträge mit dem Ausland sowie der Überalterung der schweizerischen Kernkraftwerke eine Stromlücke absehbar. Diese zu verhindern, muss das vordringliche Ziel einer bürgerlichen Energiepolitik sein.

Die alleinige Fokussierung auf neue erneuerbare Energien (v.A. Wind und Photovoltaik) ist nicht zielführend, da diese in absehbarer Zeit nicht marktfähig, zu teuer und nicht zuverlässig nutzbar sind. Ausserdem würden dadurch ganze Wirtschafts- und Industriezweige ins Ausland verlagert. Im Hinblick auf eine möglichst CO2-freie Energieproduktion ist auch der Bau neuer Gaskraftwerke keine realistische Option. Die Inbetriebnahme neuer Kernkraftwerke ist daher in den nächsten Jahrzehnten unumgänglich.

Folgende Argumente sprechen dafür:

  • Neue KKW werden heute gemäss den höchstmöglichen Sicherheitsstandards gebaut. Eine Reaktorkatastrophe wie in Tschernobyl ist rein theoretisch nicht möglich.
  • Restrisiken lassen sich bei keiner Technologie gänzlich ausmerzen. Sie sind im Falle der Kernkraft jedoch so gering, dass sie in Kauf genommen werden können und müssen.
  • Die Kosten für neue KKW werden in den Medien gravierend übertrieben – der Bau an sich ist nicht bedeutend komplexer als bei anderen Grossprojekten. Auch hat der Preis des Urans keinen bedeutenden Anteil am Gesamtpreis der Stromproduktion.
  •  Die langfristig sichere Entsorgung radioaktiver Abfälle unter Tage ist entgegen der landläufigen Meinung machbar.

Insbesondere was den letzten Punkt, die Machbarkeit der Entsorgung radioaktiver Abfälle betrifft, herrscht in der Öffentlichkeit ein gravierendes Informationsdefizit, wie Nagra-Geschäftsleitungsmitglied Markus Fritschi ausführte.

Das Ziel einer sicheren Entsorgung muss es sein, radioaktive Abfälle über mehrere zehntausend Jahre dem Einfluss von Mensch und Natur zu entziehen. Dies ist einzig in geologischen Tiefenlagern möglich, welche in ganz bestimmten, dafür geeigneten Gesteinsschichten eingerichtet sein müssen. Die Machbarkeit dieses Verfahrens wurde vom Bundesrat im Jahr 2006 grundsätzlich anerkannt, ebenso ist die Finanzierung durch die Abfallverursacher sichergestellt.

Die Suche nach einem geeigneten Standort ist nun im Rahmen des „Sachplans geologische Tiefenlager“ in vollem Gange. Es handelt sich dabei um ein klar geregeltes, transparentes und faires Verfahren, welches sechs möglich Standorte für ein Tiefenlager hervorgebracht hat – drei davon tangieren den Kanton Zürich. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI hat allen potentiellen Standorten nach eingehender Prüfung zugestimmt.

Fazit: Wenn von Kernkraftgegnern immer wieder vorgebracht wird, die Entsorgungsfrage sei ungelöst, weshalb zukünftig grundsätzlich auf Kernkraft verzichtet werden müsse, dann ist dies ein auf mehreren Ebenen unwahres und unredliches Argument, denn die Entsorgungsfrage ist gelöst. Wo letztendlich ein Tiefenlager entstehen soll, ist auch eine politische Frage – will man eine Lösung finden oder nicht? Dass Tiefenlager technisch Machbar sind, ist unbestritten, und über deren Sicherheit herrscht in Expertenkreisen europaweit ein breiter Konsens. Eine Lösung für die Lagerung von radioaktiven Abfällen muss ohnehin gefunden werden, unabhängig davon, ob weitere KKW gebaut werden, oder nicht.

AVES Zürich setzt sich für pragmatische Lösungen sowie einen sachlich geführten öffentlichen Dialog in energiepolitische Fragen ein. Gerade im Bereich der Kernkraft ist der öffentliche Diskurs von Halbwahrheiten und Hysterie geprägt. AVES Zürich hat es sich zum Ziel gemacht, hier dringend notwendige Aufklärungsarbeit zu leisten.

Kontakt:

Rolf Hegetschweiler

Präsident AVES Zürich
Lanzenstrasse 4
8913 Ottenbach
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AVES Sektion Zürich
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