„Energiedrehscheibe Schweiz?“ – Podiumsdiskussion von AVES Zürich

22. Mai 2012

Die Aktion für eine vernünftige Energiepolitik Schweiz AVES (Sektion Zürich) hat am 21. Mai zu ihrem traditionellen Frühlingsevent eingeladen. Thema der Veranstaltung war der europäische Stromhandel und die Rolle der Schweiz. Unter dem Titel „Energiedrehscheibe Schweiz – zukunftsträchtiges Erfolgsmodell im vereinten Europa?“ informierten drei Experten das bestens unterhaltene Publikum aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Den Anfang machte Eberhard Röhm-Malcotti, seines Zeichens Leiter EU-Politik der Axpo und somit hauptsächlich in Brüssel tätig. Er zeigte in seinem Referat die komplexen Zusammenhänge im europäischen Stromhandel auf. Unter dem Titel "Der EU-Energie-Binnenmarkt und die Schweiz" bot er dem Publikum darüber hinaus einen guten Überblick über die komplexen EU-internen Strukturen im Bereich der Strom- und Energiepolitik. Zuletzt nahm er eine Einordnung der energiepolitischen Rolle der Schweiz im europäischen Verbund vor – übersichtlich und pointiert.

Zum Thema „Stromhandel – Prinzipien eines funktionierenden Strommarktes“ orientierte als nächstes Dirk Zikmund, Senior Expert Market Regulations bei Alpiq. Er zeigte auf, wie sich seit der Liberalisierung der europäischen Strommärkte im Jahr 1999 ein funktionierender Großhandelsmarkt für Strom entwickelt hat und welchen Veränderungen dieser in den letzten Jahren aufgrund von Finanzkrise und Atomausstieg unterworfen gewesen ist. Insbesondere die in Deutschland und der Schweiz ausgerufene Energiewende hat zu einer steigenden Bedeutung des Stromnetzes und darüber hinaus auch der Schweizer Pumpspeicherwerke geführt. Allerdings hat, so Zikmund, die Energiewende vorläufig zu keinen nennenswerten Preissprüngen geführt – dies ist ein Indiz für die gute Vernetzung zwischen den Europäischen Ländern im Strombereich. Die Schweiz müsse hinsichtlich ihrer zukünftigen Energiepolitik bestrebt sein, ihre Integration im europäischen Strommarkt zu festigen.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete das Referat von Ständerat Pankraz Freitag (FDP, Glarus). Die im Titel gestellte Frage „Energiedebatte in Bundesbern – zielgerichtet oder populistisch?“ beantwortete er pointiert mit „Jein“. Freitag zeigte dem Publikum wortgewandt die Widersprüche und Gefahren der schweizerischen Energiepolitik seit dem überhastet beschlossenen Atomausstieg auf. Allerdings sei Fundamentalopposition fehl am Platz, vielmehr müssten die Defizite des geplanten Ausstiegs Schritt für Schritt und konsequent öffentlich gemacht werden: So würden beispielsweise den Besitzern von Photovoltaikanlagen über einen Zeitraum von 25 Jahren hinweg feste, nicht marktgerechte Preise für den von ihnen produzierten Strom zugesichert, ganz egal, ob ihre Anlage nach zehn Jahren schon veraltet ist oder nicht. Finanziert werden diese Kosten in Milliardenhöhe durch Zwangsabgaben der übrigen Stromkunden. Desweiteren rechnete der studierte Mathematiker eindrücklich vor, dass man, um das AKW Beznau I und II (ein AKW mittlerer Grösse) zu ersetzen, eine Fläche von 36 Mio. m2 mit Photovoltaikanlagen verbauen müsste, bei optimistischen Schätzungen, versteht sich. Dies entspricht 36 Km2 oder einer Anlage in der Fläche von 20 m2 auf jedem Gebäude in der Schweiz – die Zahlen sprechen für sich.
Mit einer leider nicht besonders optimistischen Prognose beendete Pankraz Freitag seine Ausführungen: Er ist der Meinung, dass in den nächsten dreissig Jahren in der Schweiz kein neues AKW gebaut werde.

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