„Fracking – Revolution in der Energieversorgung?“ Podiumsdiskussion von AVES Zürich

15. Mai 2013

Am 14. Mai hat in Zürich der traditionelle Frühlingsevent von AVES Zürich (Aktion für eine vernünftige Energiepolitik Schweiz) stattgefunden. Unter dem Titel „Fracking – Revolution in der Energieversorgung?“ haben sich Experten und Politiker über die Vor- und Nachteile des Hydraulic Fracturing ausgetauscht. Zuvor war im Rahmen der Generalversammlung von AVES Zürich Kantonsrat Martin Arnold (SVP, Oberrieden) zum neuen Präsidenten gewählt worden. Neu in den Vorstand aufgenommen wurden Gabriela Winkler (Kantonsrätin FDP) und Markus Hungerbühler (Gemeinderat CVP, Stadt Zürich).

Für die meisten Anwesenden war die Diskussion rund um das „Fracking“ Neuland. Nur die wenigsten wussten, was sie sich genau unter dieser Technologie vorzustellen hatten, entsprechend gross waren bei vielen auch die – oft negativen – Vorurteile. Dr Peter Burri, Präsident der Schweizerischen Vereinigung von Energie-Geowissenschaftern (SASEG) wusste diese Vorurteile mit seiner Präsentation allerdings gekonnt zu widerlegen.

Vielversprechende Technologie
„Unkonventionelle Kohlenwasserstoffe produzieren“ – was so kompliziert klingt, bedeutet nichts anderes, als Öl und Gas zu fördern, welches mit konventionellen Methoden nicht wirtschaftlich zu Tage gefördert werden kann. Mit Technologien wie Horizontalbohrungen und Hydraulic Fracturing, kurz Fracking, wird dies allerdings möglich. Das Prinzip besteht vereinfacht gesagt darin, dass dichte und schwer durchlässige Gesteinsschichten nicht wie bis anhin vertikal, sondern über mehrere Kilometer hinweg horizontal angebohrt werden. In das Gas führende Gestein wird danach mit hohem Druck Wasser hineingepumpt, dies in der Absicht, im umliegenden Gestein Risse (die so genannten „Fracs“) zu erzeugen, aus denen Gas ausströmt, welches an die Oberfläche gefördert werden kann. Diese Technologien sind nicht neu sondern werden in der Industrie in konventioneller Produktion schon seit vielen Jahrzehnten angewandt.

Prognosen zu weltweiten Gasreserven auf den Kopf gestellt
Für die Generierung von Öl und Gas braucht es ein Muttergestein, ein Sediment, reich an organischen Resten von Tieren und Pflanzen welche dann bei hohen Temperaturen in fossile Brennstoffe umgewandelt werden. Durch neue geologische Erkenntnisse hat man festgestellt, dass – entgegen früherer Annahmen – offenbar ein sehr grosser Teil des Gases und Öls in diesen meist sehr dichten Muttergesteinen zurückgeblieben ist. Durch die besagten neuen Konzepte wurden in den vergangenen Jahren auf einmal Gasreserven in einem nie erahnten Ausmass verfügbar; alle Prognosen zu den weltweiten Gasreserven, die älter als ein halbes Jahrzehnt sind, sind Makulatur geworden. Insbesondere in den USA herrscht daher seit einigen Jahren ein regelrechter „Unconventional-Gas-Boom“, der das Land unabhängig von Gaseinfuhren gemacht hat, ja ab 2015 sogar zu einem Gas-Exporteur machen wird. Da auch grosse Mengen an unkonventionellem Öl aus Muttergesteinen gefördert werden, sind die USA in Zukunft nicht mehr auf Importe aus dem Mittleren Osten angewiesen, was einschneidende politische Konsequenzen haben wird.

Risiken: nicht auszuschliessen, aber beherrschbar
Selbstverständlich ging Dr. Burri in seinen Ausführungen auch auf die befürchteten Risiken des Fracking ein. Diese seien – wie bei allen industriellen Vorgängen – nicht vollständig auszuschliessen, bei sauberer Planung und Durchführung aber absolut beherrschbar. So sei eine Verunreinigung des Trinkwassers eigentlich nicht möglich, da die betroffenen Gesteinsschichten in der Regel 1000 - 3000 Meter tiefer liegen als das Trinkwasser. Die Bildung der Risse werde so gesteuert, dass sie innerhalb der Gesteinsschicht bleiben, aus der das Gas gefördert werden soll. Wo es zu nachgewiesenen Verunreinigungen gekommen sei (weniger als 1% der Bohrungen), habe dies nichts mit dem Fracking zu tun, sondern mit defekten, leckenden Bohrungen, die unsauber ausgeführt wurden. Dieses Risiko gebe es bei allen Bohrungen, gleich zu welchem Zweck diese abgeteuft wurden. Auch die Gefahr von Erdbeben sei vernachlässigbar, zwar könnten kleine Erschütterungen nicht ausgeschlossen werden, diese hätten bei der Gasexploration jedoch noch nie zu Problemen geführt. Als Beweis stehen weit über 100‘000 Bohrungen in den USA, bei denen nachweislich nie seismische Schäden aufgetreten sind.

Fazit: Gas nicht verteufeln
Peter Burri kommt in seinen Ausführungen zum Schluss, dass das Gas die fossile Energiequelle des Jahrhunderts ist. Weltweit, so schätzt man, reichen die Erdgasreserven für 250-300 Jahre. Experten gehen davon aus, dass die Schweiz im Prinzip das geologische Potential hat, sich selbst mit Gas zu versorgen. Dies muss allerdings erst mit Bohrungen nachgewiesen werden, würde aber unser Land unabhängiger von Importen aus unsicheren Weltgegenden machen. Weltweit hätte ein Umstieg auf Gas als wichtigste fossile Energie enorm positive Auswirkungen auf die Umwelt: Erdgas hat nämlich den Vorteil, dass es von allen fossilen Energieträgern nicht nur den geringsten CO2-Ausstoss hat, sondern bei der Verbrennung auch keine anderen Schadstoffe hinterlässt. Dies macht Gas global zum bestmöglichen Ersatz für die Kohle, mithin dem „dreckigsten“ aller fossilen Energieträger. Aus all diesen Gründen sei Gas, so Burri, die ideale Übergangslösung, um den Energiehunger der Gesellschaft zu stillen, solange neue erneuerbare Energien wie bspw. die Geothermie noch nicht genügend ausgereift seien, um diese Aufgabe zu übernehmen.

Engagierte, aber niemals gehässige Diskussion
Die anschliessende Diskussion zwischen der grünen Berner Nationalrätin Aline Trede und dem Geophysiker und Gas-Experten René Graf war weit weniger kontrovers als man es sich von früheren AVES-Veranstaltungen gewöhnt ist. Dies lag vor Allem an der Tatsache, dass die Diskussion in erster Linie technischer und weniger politischer Natur war. Ausserdem wusste Peter Burri in seinem Referat die Vorurteile gegenüber dem Fracking so gekonnt und überzeugend zu widerlegen, dass eine Grundsatzdebatte für oder wider das Fracking gar nicht erst entstehen konnte.

Vielmehr wies Jungpolitikerin Trede richtigerweise darauf hin, dass die Schweiz, im Gegensatz zu anderen Ländern, bis anhin über keine Strategie zum Umgang mit der Fracking-Technologie verfüge. Die Ausbeutung von Bodenschätzen ist Sache der Kantone, und da es jedem Kanton selber überlassen ist, diesbezüglich Regelungen zu treffen, ist die Lage relativ unübersichtlich; es sollte daher baldmöglichst eine Bundesregelung her, idealerweise im Rahmen eines Konkordats. Zur Überbrückung könne sie sich zudem ein Moratorium vorstellen, schliesslich sei es auch im Rahmen eines Moratoriums möglich, weiter zu forschen.

Diese Einschätzung teilte ihr Kontrahent René Graf nicht: Für Fracking sei zwar eine gesamtschweizerische Lösung anzustreben, auf ein Moratorium sei allerdings unbedingt zu verzichten. Vielmehr sollte in einem ersten Schritt anhand von Probebohrungen baldmöglichst das geologische Potenzial der Schweiz eruiert werden – Probebohrungen übrigens, bei denen kein Fracking notwendig sei. Sollten die Resultate positiv sein, könne danach mit der wirtschaftlich rentablen Förderung von Gas begonnen werden. Angesichts der vielen wirtschaftlichen und klimatischen Vorteile des Erdgases wäre es schade, hier durch ein Moratorium unnötig Zeit zu vergeuden.

Ob Nationalrätin Trede allerdings willens ist, ihre Partei von diesem Vorgehen zu überzeugen, liess sie offen. Für sie geniessen die neuen erneuerbaren Energien in der schweizerischen Energiepolitik nach wie vor oberste Priorität. Wir dürfen gespannt sein.

Neuer Präsident gewählt
In der vorangegangenen Generalversammlung wurde Kantonsrat Martin Arnold (SVP, Oberrieden) zum neuen Präsidenten von AVES Zürich gewählt. Arnold ist seit 11 Jahren Geschäftsleiter des Kantonalen Gewerbeverbandes Zürich KGV und ein ausgewiesener Experte in energiepolitischen Fragen. Er löst Alt Nationalrat Rolf Hegetschweiler ab, der nach 4 ½ Jahren als Präsident zurücktritt. Rolf Hegetschweiler hat AVES Zürich seit deren Gründung im Jahr 2008 mit grossem Engagement geführt. Wir danken Rolf Hegetschweiler herzlich für seinen grossen und immer leidenschaftlichen Einsatz im Dienst von AVES Zürich. Gleichzeitig freuen wir uns, in Martin Arnold einen kompetenten und dynamischen neuen Präsidenten gefunden zu haben.

Neu in den Vorstand aufgenommen wurden überdies Gabriela Winkler (Kantonsrätin FDP) und Markus Hungerbühler (Gemeinderat CVP, Stadt Zürich). Neben Rolf Hegetschweiler tritt auch Kantonsrat Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon) aus dem Vorstand zurück.

Weitere Informationen sowie die Präsentation des Referenten finden Sie unter www.aves-zuerich.ch

Kontakt:

Martin Arnold

Präsident AVES Zürich
c/o Kantonaler Gewerbeverband
Postfach 2918
8021 Zürich
Tel: 043 288 33 66

Ueli Bamert

AVES Sektion Zürich
c/o Kantonaler Gewerbeverband
Postfach 2918
8021 Zürich
Tel: 043 288 33 61